100 Jahre Bayernbund – Festrede von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber

22.09.2021

Anlässlich des 100jährigen Bestehens vom Bayernbund hat im Forum Altötting namens der Bayerischen Staatsregierung die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die Festrede im Forum Altötting gehalten. Sie hielt dabei einen geschichtlichen Rückblick und würdigte das ehrenamtliche Engagement des Bayernbundes mit Landesvorsitzenden Sebastian Friesinger. Die Festrede nachfolgend im Wortlaut.

Hochwürdigster Herr Weihbischof Wolfgang Bischof, Königliche Hoheiten Herzog Franz von Bayern und Prinz Ludwig von Bayern, sehr geehrter Herr Landesvorsitzender Sebastian Friesinger, werter Ehrenvorsitzender Adolf Dinglreiter, sehr geehrte Vertreter des Landesvorstandes, liebe Mitglieder des Bayernbundes, meine sehr geehrten Damen und Herren!

100 Jahre Bayernbund – zu diesem beeindruckenden Geburtstag gratuliere ich im Namen der gesamten Staatsregierung ganz herzlich. Es ist mir eine große Ehre, heute unseren Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder zu vertreten und mit Ihnen zu feiern. Der Bayernbund ist eine feste Größe und wichtige Institution für den Freistaat. Unser Ministerpräsident, der Ihrem Bund eng verbunden ist, hat Ihnen in einer bewegenden Feststunde im Kaiser-saal der Residenz als Zeichen seiner Wertschätzung die Ehrenfahne überreicht. Sie steht für Tradition, Fortschritt und bürgerschaftliches Engagement für Bayern und wird nur selten verliehen. Der Bayernbund ist ein würdiger Träger dieser Ehrenfahne!

 Altötting

Würdig ist auch der Ort, den Sie für dieses große Jubiläum gewählt haben: Papst Benedikt XVI. nennt Altötting „das Herz Bayerns und eines der Herzen Europas“. Es zählt zu den bedeutendsten Marienwallfahrts-orten Europas und zu den geschichtsträchtigsten Orten Bayerns. Hier im altbayerischen Kernland begegnen uns mehr als 2.000 Jahre unserer Geschichte. Hier legten die Agilolfinger die Gaugrafschaft fest und formten später die Wittelsbacher die ältesten Verwaltungsbezirke Bayerns. Und hier ruhen die Herzen der Wittelsbacher, die seit 1180 ununterbrochen in Bayern herrschten; erst als Herzöge, dann als Kurfürsten, später als Könige – bis zum Ende der Monarchie 1918. Und damit beginnt im Grunde die Geschichte des Bayernbundes.

Rückblick

In den Wirren nach dem Ersten Weltkriegs, angesichts von Revolution, Räterepublik und einer prekären Ernährungslage – richteten sich viele Hoffnungen auf eine Rückkehr der Monarchie, die in Bayern immer etwas anders war, volksnäher, mit den Menschen verbunden. Denken Sie nur an den beliebten Prinzregenten Luitpold oder eben an Ludwig III. Unser letzter König, der „Millibauer“ ist mir als Landwirtschaftsministerin mit seiner Begeisterung für Ackerbau und Viehzucht besonders nahe – und seine Worte haben, so finde ich, auch heute noch Gültigkeit:

„Was nun die Landwirtschaft besonders betrifft, so erkenne ich ihren Wert für das ganze Volk wohl. Ist sie doch von allen Gewerben das, welches die Grundlage bildet.“

 Sehr geehrter Herr Professor Weiß,

in Ihrer beeindruckenden Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum schreiben Sie:

„Es ist ein Paradoxon, dass erst eine Revolution eine monarchistische Bewegung hervorbringt.“ Ja, es waren unsichere Zeiten, als sich im März 1921 im Münchner Sterneckerbräu unter Führung von Major Spruner von Mertz staatsbewusste Bürger zusammenfanden und den Bayerischen Heimat- und Königsbund „In Treue fest“ aus der Taufe hoben. Wenige Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs lag nicht nur die Wirtschaft darnieder, sondern auch die alte Weltordnung. An der Schwelle zu einer noch völlig unbekannten Ordnung, fehlte es den Menschen an Orientierung. Die Demokratie war zwar formal etabliert, aber ohne breiten Rückhalt in der Bevölkerung. Wir wissen, wie gefährlich solche Zeiten des Umbruchs sind und wie schnell sich lautstarke Minderheiten mit radikalen Ansichten Gehör verschaffen können.

Ihre Gründerväter erhofften sich eine Stabilisierung der politischen Situation durch die Rückbesinnung auf die Monarchie, auf eine christlich geprägte Politik und eine starke föderale Ausrichtung. Sie wollten damit auch den Gefahren von Zentralismus und Machtballung vorbeugen. Wie weitsichtig das war, sollte sich schon bald zeigen, als der Nationalismus die Oberhand gewann und das dunkelste Kapitel unserer Geschichte begann. Die Versuche Ihres Bundes, durch Wiedereinführung der Monarchie im März 1933 Bayern vor einer nationalsozialistischen Machtübernahme zu retten, scheiterten. Es folgte das Verbot der jungen Vereinigung, die auf bereits über 70.000 Mitglieder angewachsen war und innerhalb von zehn Jahren ein flächendeckendes Organisationsnetz in ganz Bayern aufgebaut hatte. Ihre führenden Köpfe wurden verfolgt und verhaftet.

Mit dem demokratischen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg war eine Neugründung Ihres Bundes möglich – und Sie haben die Chance genutzt, ihn zeitgemäß auszurichten hin zu einer überparteilichen Sammlungsbewegung. So wurde 1967 aus dem Bayerischen Heimat- und Königsbund der Bayernbund. Aus der ursprünglich monarchisch eingestellten Einigung wurde eine starke bayerisch-demokratische Bastion.

 Bedeutung des Bayernbund

 Für die Bayerische Staatsregierung ist der Bayernbund ein wichtiger, ja ein unverzichtbarer Mitstreiter im vorpolitischen Raum. Mehr denn je brauchen wir Ihre Mitarbeit und Ihr Engagement, Ihr klares Bekenntnis zur Demokratie. Sie stehen für ein gutes bayerisches Selbstbewusstsein in einer föderativen Bundesrepublik und einem Europa der Regionen. Der Föderalismus hat nichts mit uneinsichtigen Sonderwünschen zu tun: Föderalismus und Subsidiarität sind für unsere Demokratie deshalb so wertvoll, weil sie die Entscheidungen dort belassen, wo sie im Interesse der Menschen am besten getroffen werden. Sie erst ermöglichen Bürgernähe und eröffnen den Bürgerinnen und Bürgern die wichtige Möglichkeit, ihre Heimat mitzugestalten. Das setzt die Energien frei, die wir für eine gute Zukunft brauchen. Aber wenn die Entscheidungen, die das eigene Lebensumfeld betreffen, irgendwo in Berlin oder Brüssel fallen, wenn die Menschen das Gefühl haben, auf sie kommt es nicht an, dann wird es schwierig für die Demokratie, dann haben Politikverdrossenheit, Fake News und Verschwörungstheorien Hochkonjunktur.

Tradition und Brauchtum

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir erleben es hautnah: Unsere Welt wandelt sich in einem nie da gewesenen Tempo. Wir befinden uns geradezu in einem epochalen Umbruch, der durch die Corona-Krise verstärkt wurde. Digitalisierung und Globalisierung, aber auch die Zersplitterung unserer Gesellschaft stellen uns vor völlig neue Herausforderungen.

Die Menschen spüren heute mehr denn je, dass sie sie ganz konkret Heimat brauchen – in regionaler, kultureller und sozialer Hinsicht. Und darum geht es doch: bei aller Globalisierung unsere spezifische bayerische Kultur und Tradition, unser Brauchtum und unsere regionalen Besonderheiten zu bewahren. Wir wollen, dass Bayern unverwechselbare Heimat bleibt – und hier leisten Sie, liebe Mitglieder des Bayernbundes, einen ganz besonderen Beitrag.

Mit Projekten wie „Heimatkunde an der Grundschule“ oder „Zukunft der Regionen“ und „Freude an der Mundart“ engagieren Sie sich konkret für die Pflege unserer Dialekte und Literatur, für Volkskultur, Geschichte und Brauchtum. Das ist eben nicht rückwärtsgewandt oder nostalgisch, im Gegenteil: Traditionspflege ist ein dynamischer Prozess, ein intensiver Dialog zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und wer gut verwurzelt ist in der eigenen Kultur und Geschichte, der kann auch offen und respektvoll anderen Kulturen begegnen – und er wird sich umgekehrt auch trauen, diesen Respekt für unsere Werte einzufordern. Daher ist Ihre Arbeit, ist Ihr Engagement höchst gegenwärtig, ja in die Zukunft gerichtet. Ein Leben in und aus der Tradition heraus gibt gesellschaftlichen Zusammenhalt. Um Heimat heute und morgen verantwortungsbewusst mitzugestalten – dafür vernetzen Sie sich auch mit anderen Akteuren der Heimat- und Brauchtumspflege. Und Sie sind in der Bürgerallianz Bayern, dem Zusammenschluss unserer Traditionsverbände mit ihren 2,2 Millionen Mitgliedern, eine starke Stimme.

Sehr geehrte Landesvorsitzender Friesinger, Sie sind kürzlich zum Sprecher der Bürgerallianz gewählt worden. Dazu darf ich Ihnen herzlich gratulieren und Ihnen auch für dieses wichtige Amt alles Gute wünschen.

Heimat Bayern

Fast überall in der Welt weißt man: Bayern ist nicht irgendein Land in Deutschland, weder historisch noch politisch, weder mit Blick auf Geografie noch Ökonomie noch auf Kultur. Wenn wir im Ausland gefragt werden, wo wir herkommen, dann sagen wir nicht – wie die meisten Bundesbürger – „Deutschland“ oder „Europa“ oder nennen unsere Stadt. Nein, wir kommen aus „Bayern“! Da schwingt Stolz mit, Stolz auf die bayerische Geschichte und Kultur, auf die Stärke und Zukunftsfähigkeit unseres Landes, und auf unsere einmalig vielfältige Landschaft – auf unsere Berge und Seen, auf unsere von Bauernhand geschaffene Kulturlandschaft. Stolz sind wir auch – wer würde es uns verdenken – auf unsere kulinarischen Schätze und unsere Festkultur, die auch Ausdruck unserer reichen Traditionen ist.

Liebe Mitglieder des Bayernbundes,

wir haben Sie an unserer Seite in der Sorge um die Bewahrung und den Schutz unserer Natur, gerade auch angesichts des immer schneller verlaufenden Klimawandels. Dieser Einsatz verdient Respekt, wie auch Ihr Engagement für einen starken und zukunftsfähigen ländlichen Raum. Lassen Sie uns da noch enger zusammenwirken! Denn gerade in unseren Dörfern werden Brauchtum und Tradition, Zusammenhalt und Heimatliebe besonders intensiv gelebt. Für mich, meine Damen und Herren, schlägt das Herz Bayerns im Ländlichen Raum.

Liebe Mitglieder des Bayernbundes, wir sind uns einig: Bayern ist weit mehr als ein staatliches Gebilde oder ein geographischer Ort. Es ist ein Lebensgefühl, das, wie alle Gefühle, schwer in Worte zu fassen ist: Aber wir spüren es, wenn wir von einer Reise zurückkehren, wenn wir das Dirndl oder die Tracht anlegen, wenn wir den Maibaum aufstellen, wenn wir uns im Verein oder Dorf engagieren oder miteinander den Gottesdienst besuchen und feiern, so wie wir das heute tun.

 Dank und Schluss

Liebe Mitglieder des Bayernbundes,

„Friedlich – weltoffen – föderal und christlich“, so hat es der Bayerische Ministerpräsident ausgedrückt, soll Bayern auch fortan geprägt sein. Zu dieser Stabilität, zu einem Bayern mit Zukunft leistet Ihr Bund einen wertvollen Beitrag. Dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen.

Ob in Ihren Kreis- und Regionalverbänden oder an zentraler Stelle im Landesverband: Bündeln Sie auch weiterhin Ihre Kräfte, begeistern Sie die Jugend, seien Sie mutig und lassen Sie in Ihrem Einsatz für unser Land nicht nach. Wir brauchen Sie!

„Gott mit Dir, Du Land der Bayern!“

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