Frühschoppen Gerald Hubers Bairische Wortkunde mit Maria Reiter in Rott

21.11.2019
Hier der Bericht des Oberbayerischen Volksblatt. 
Wir bedanken uns bei Thomas Kirchgraber für die ausgezeichnete Berichterstattung.

Von Adam bis Zapfhahn”Bairische Wortkunde” begeistert Zuschauer im Rotter Stechl-Saal

Rott – Angekündigt hat der„Bayernbund“-Vorsitzende Christian Glas eine „Bairische Wortkunde“ mit Sprecher Gerald Huber und seiner musikalischen Partnerin Maria Reiter. Doch im Rotter Stechl-Saal erlebten die Zuhörer zwei vergnügliche und zugleich lehrreiche Stundenmit einem launigen Geschichtenerzähler und Bänkelsänger sowie einer ausgezeichneten Akkordeonistin, die auch gesanglich einige Register zog .

Schnell war klar: Wer das Bairische würdigen will, wird schnell international. Denn die älteste deutsche Regionalsprache ist gleichzeitig auch eine der ältesten Kultursprachen Europas. Kein Wunder, dass sich in Maria Reiters musikalischer Begleitung G’stanzl, weihnachtliche Klänge und Beethovens Europahymne samt Götterfunken brüderlich die Hände reichten.

Die bairische Bierkultur begann nach der Eiszeit. Die erste Hälfte des Programms war dem Bier gewidmet. Klar doch, dass die Ursprünge der bairischen Bierkultur mit dem Endeder Eiszeit vor 12 000 Jahrenbegann – mindestens, so Huber. Eigentlich umspannt sieden Zeitraum von Adam bis Zapfhahn. Als die Menschen sesshaft wurden, trafen sie sich zu Feiern aller Art –dem tiefsten Grund, das Jagen und Sammeln mal bleiben zu lassen. Zugunsten des Ackerbaus und erstrecht des Anbaus von Gerste, dem ersten Getreide der Menschheit. Das Bierbrauen wurde erfunden und mit einem Fetzen Rausch den Göttern gehuldigt. In Mesopotamien und Südost-Anatolien mögen die ersten Biergärtenentstanden sein, doch Ausgrabungen einer Brauereianlage bei Augsburg weisen Bayern als erstes Land der Biertrinker in Westeuropaaus. Das erste Starkbier allerdings wurde nicht auf dem Nockherberg gebraut, sondern im alten Ägypten. Dieser Trunk soll so stark gewesen sein, berichten die Hieroglyphen, dass es sogar Elfenbein auflöste…

So jagten Gerald Huber und Maria Reiter noch lange kreuz und quer durch die Geschichte des Bieres und kamen zu dem Ergebnis, dass „alle Gedankenstränge unweigerlich nach Bayern führten“. Darauf mindestens „ein dreifaches Helles-luya“!

Schon die Römer feierten in der staden Zeit. Im besinnlicheren zweiten Teil drehte sich alles um das Weihnachtsfest, um die in den meisten Kulturen verankerte Sage von dem Kind, das die Welt retten wird, so Huber weiter. Ebenso wie vielerorts die Zeit der langen Nächte und kurzen Tage mit fröhlichen Feiern begangen wird. Schon bei den Römern feierte man die Saturnalien am Ende der winterlichen Aussaat. Freunde und Familien tauschten Geschenke und Gegengeschenke in den Wintermonaten aus. Das Geschenkekaufen wurde auf speziellen Märkten kommerzialisiert; der älteste findet an seit jeher ander selben Stelle in Romstatt. In Nürnberg gibt es dafür seit Anfang des 17. Jahrhunderts den Christkindlesmarkt. Der Pfarrer von Schwarzach bei Straubing berichtete im Jahr 1616, dass er die Vespernpredigt hat ausfallen lassen müssen, „weil wegen des wahnwitzigen Einkaufens von Geschenken keine Leute vorhanden gewesen sind.“ Also tat sich das weißblaue Bayern wieder mal hervor: Wildes einkaufen, „StilleNacht“, der Adventskalender, das Lametta, das Aufstellen von Christbäumen in denWohnungen – alles in Bayernerfunden. Auch wenn Letzteres als „ein der Forstkulturso abträglicher wie unnützer Brauch“ zeitweise verboten worden ist. „Also alles“, resümierte Gerald Huber, „über was man sich heutzutage wegen Weihnachten aufregt, hat es schon vor Jahrhunderten gegeben.“

Auch dass Leute herumziehen und um Gaben betteln. Das ging auf die„Gabenheischer“, die Turmbläser im 15. Jahrhundert zurück, die winters arbeitslos waren und erst brav ummilde Gaben nachfragten. Huber: „Doch der Tonwurde zusehends rauer –fast so rau wie heute in prolligen Internetforen. Küacherl raus, Küacherl raus, sonst schlag‘ ma eich a Lochins Haus!“

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