Traut euch doch bairisch zu reden! OVB-Kommentar vom 03.08.22

Kommentar im Oberbayerischen Volksblatt vom 03.08.22

MEHR DIALEKT WAGEN

Traut euch doch Bairisch reden!

VON CORNELIA SCHRAMM

Das Wort „Glupperl“ ist kürzer als die „Wäscheklammer“. „Gscheidhaferl“
klingt netter als „Klugscheißer“ – bringt das Problem aber ebenso auf den
Punkt. Viele Bayern scheuen sich trotzdem, ihr Bairisch auszupacken.
Dahoam am Küchentisch wird mit den Eltern im Dialekt kommuniziert – so
war das ja schon immer! Aber nicht in der Bar oder im Büro. Das sollte sich
ändern.
Dialekt hat immer noch ein Imageproblem. Wer Mundart spricht, erntet viele
skeptische Blicke. Zu oft wird ein Bairisch-Sprechender als einfältig und
ungebildet abgestempelt. Das ist Schmarrn. Bildung und Dialekt schließen
sich nicht aus, das haben Sprachwissenschaftler längst bewiesen. Dialekte
sind eigenständige Sprachen: Sie haben einen eigenen Wortschatz, eine
eigene Grammatik. Zweisprachigkeit bringt das Gehirn in Schwung, schon bei
Kindern. Jeder, der will, sollte selbstbewusst Dialekt sprechen. Schön, dass
Jugendliche offenbar wieder mehr in der Mundart kommunizieren, zum
Beispiel am Handy. Das erhöht die Akzeptanz.
Es gibt aber Situationen, in denen auch der leidenschaftlichste DialektSprecher besser beim Hochdeutschen bleibt. In Briefen an Behörden, in
Aussagen vor Gericht, in Vorstellungsgesprächen: Ganz einfach, damit er von
allen gleichermaßen verstanden wird. Dialekt ist eine wunderbare Sache –
aber ausgrenzen soll er nicht. Host mi?

 

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